Engagierte Zärtlichkeit

Das schwul-lesbische Handbuch
über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften

von Andreas Frank
Internet-Version © 1997


INDEX
Gliederung / Inhaltsverzeichnis / Zusammenfassung

Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften hat es immer gegeben und wird es immer geben. Das ist normal. Die Sozialforschung hat sich jedoch erst seit einigen Jahren ausführlich mit gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ("GGLeG´s") von lesbischen und schwulen Paaren auseinandergesetzt. Die vorliegende Sozialberichterstattung "Engagierte Zärtlichkeit" beschäftigt sich als Sachbuch mit den sozialen Dimensionen von Empfindung, Liebe und gleichgeschlechtlicher Partnerschaft in Familie, Politik, Kirche, Berufsalltag, Medien und weiteren Gesellschaftsbereichen: so geht es z.B. um schwul-lesbische Familienpolitik, staatliche Ehe und kirchliche Trauung sowie um Marketing und Werbung für lesbische bzw. schwule Paare. Es ist ein Handbuch für alle, die etwas mehr über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften erfahren wollen. Erstmals wird in einer derartigen Buchkonzeption ein umfassender Überblick über aktuelle Fragestellungen aus den genannten Bereichen gegeben und Perspektiven aufgezeigt, wie gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Lesben und Schwule mit ihren Eltern, Familien und Freunden ihre Zukunft, ihr Leben und ihre Liebe selbstbestimmt gestalten und selbstbewußt umsetzen können.


Aus dem Inhalt:

- Coming-Out von Jugendlichen
- Wie man den Freund bei den Eltern und Schwiegereltern vorstellt
- Ehe- und Familienpolitik für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und ihrer Kinder
- Entwurf einer neuzeitlichen schwulen Theologie
- Geschlecht als soziale Konstruktion
- Für den Homosexuellen ist das Private politisch: Politik für gleichgeschlechtliche Paare im Deutschen
   Bundestag
- Homosexualität ist eine reife und der heterosexuellen gleichwertige Spielart menschlichen Sexualverhaltens
- Sozialberichterstattung über Lesben, Schwule und deren auf Dauer angelegten ehegleichen
   Lebensgemeinschaften
- Intime Kommunikation: Laß´ uns über Kondome und Safer Sex reden
- "GGLeG" als Wirtschaftsfaktor: Marketing für Schwule und Lesben
- Identität als Stellungnahme zu sich selbst
- Kirchliche Hochzeit und Trauung mit Partnerschaftssegnungen von homosexuellen Paaren
- Lesben, Schwule und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften als Thema in der Schule
- Treue in PaarbEZIehungen: Die Mehrheit der Schwulen lebt und wohnt mit einem festen Freund zusammen. 38
   Prozent der Schwulen führen ihre BEZIehung sogar seit mehr als 10 Jahren genau wie eine Ehe
- aktuelle Auswahlbibliographie (Kneipenführer, Internetadressen, weiterführende Literatur ... )

 

FRANK, ANDREAS: Engagierte Zärtlichkeit - Das schwul-lesbische Handbuch
über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften
Ein Sach- und Lesebuch der Sozialforschung über die sozialen Dimensionen
von Empfindung, Liebe, Identität, Partnerschaft, Familie, Kirche, Ehe
und Homosexualität - Internet-Version © 1997

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Speichern Sie dann dieses Kapitel - wie alle anderen Kapitel auch - auf ihrer Festplatte ab und lesen Sie offline, das ist kostengünstiger. Diese wiss. Abschluß-Arbeit zielt nicht auf finanziellen Gewinn, sondern auf eine Dokumentation für Interessierte. Tragen Sie ggf. dazu bei: Übernehmen Sie das sich selbst entpackende Downloaddokument "zart.exe" auch auf ihre Homepage. Diese Dokumente des Handbuchs "Engagierte Zärtlichkeit" sind als HTML-Version für das WWW-Internet erstellt worden. Sofern ein Buch-Verlag eine Buchhandelsausgabe erstellen will, verzichtet der Autor auf ein Honorar und Verwertungsrechte und erteilt hiermit auch eine Lizenz fuer den Buchdruck für den in- und ausländischen Buchmarkt, sofern der Verlag ein übliches Autorenhonorar an eine gemeinnützige schwul-lesbische Organisation abgeführt, zum Selbstkostenpreis verlegt, oder das jeweilige Autorenhonorar vom Buch-End-Preis abzieht. Für die Veröffentlichung im Internet ist diese Studie völlig freigegeben. Sofern jemand sich in seiner Arbeit auf diese Studie stützt, möge er sie ggf. im Literaturverzeichnis erwähnen. Wissenschaft baut immer aufeinander auf, auch bei dieser Studie haben zahlreiche Menschen Dokumente zukommen lassen, die Literaturverweise dienen daher auch als umfangreiche bibliografische Dokumentation der wiss. Literatur am Ende der 1990er Jahre. In dieser wissenschaftlichen Studie geht es nicht um sexuelle Inhalte, sondern um die Aufklärung über soziale Dimensionen von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. This document may be freely copied and distributed.

 

Einleitung

"Deine Spuren im Sand ..." - Man kann die Dinge ruhig beim Namen nennen: Es geht um die Liebe von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften (GGLeG´s)

 

1. Kapitel: Geschlechtrolle als soziale Dimension

Geschlecht als soziale Konstruktion / Die Neudefinition von Männlichkeit und Weiblichkeit / Crossdressing, Gender Switching und die Auswirkungen auf den Neuen Mann / Informationsteil

 

2. Kapitel: Perspektiven einer soziosexuellen Entfaltung: Homo, hetero, bi, oder was ?

Der Verlust von Initiationsriten / Homophobie - Angst vor dem Unbekannten und Verdrängten abbauen / Der wilde Mann - Eine Komponente der Männlichkeit ? / Gegenseitige Anerkennung - Die eigene Subjektivität der Mutter als Chance zur Eigenständigkeit des Sohnes ? / Elternaustreibung - ein Weg aus dem innerpsychischen Normenzwang ? / Die sexuelle Orientierung kann nicht geändert werden / Die drei Variablen biologisches Geschlecht, Geschlechterrolle und sexuelle Ortientierung nicht verwechseln: Homosexualität als reife Spielart menschlichen Sexualverhaltens / Nach Sigmund Freud ist jeder Mensch bisexuell / Sexualstudie Alfred Kinsey: Hättest Du gedacht, daß es so viele sind ? ... / Homo, hetero, bi, oder was ? - Identität als Spiel / Informationsteil

 

3. Kapitel: Die innerpsychische Bewußtwerdung einer Empfindung (Inning)

Umschalten (Gedicht) / Identität als Stellungnahme zu sich selbst / Psychologische Aspekte der Adoleszenz. / Coming-Out - Kein Punkt, sondern ein Prozeß / Die soziosexuelle Entwicklung der Identität - Perspektiven im Vergleich zwischen homo- und heterosexuellen Jugendlichen / Ermutigung zu einem selbstbestimmten Leben - Und nun geh´ Deinen Weg / Informationsteil

 

4. Kapitel: Coming-Out: Das fortwährende soziale Bekenntnis: Ja ich gehöre dazu !

Ja, ich bin einer von ihnen. Ich gehöre dazu ! / Es ist meine Chance, zu lieben und glücklich zu werden ! / Und auf einmal weißt Du, Dein Sohn liebt Männer / Selbstbewußte Kinder - Selbstwertgefühl und wie Eltern dazu beitragen können / Jeder soll wissen, daß ich seine Mutter bin ! / Nicht nur in der Familie: Offen Leben - Coming-Out als lebenslanger Prozeß / Informationsteil

 

5. Kapitel: Die Suche nach dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Lesbisch-Schwules Netzwerk - Wo und wie man sich einen Freundeskreis aufbaut

Versuchs´s mit einer Freundschafts-Anzeige ! / Freundschaften in der und durch die Coming-Out-Gruppe / Schwule und lesbische Mailboxen im Internet - ein Weg des Kennenlernens und der Korrespondenz ? / Traumprinzen aus der Kartei von Partnervermittlungen / Im Verein - Meinen Freund hab ich im schwulen Sport-Verein kennengelernt ... / Kneipen für Lesben und Schwule / Theorie der Szene / Das erste Mal auf einer schwul-lesbischen (Disko-)Party / Informationsteil

 

6. Kapitel: Erstes Gebot: "Handle so, daß Du zärtlich bist." - Über Freundschaft, Liebe, BEZIehung und Intimität

Sich gegenseitig vertraut machen - Annäherung zwischen dem Kleinen Prinzen und dem Fuchs / Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert: "Erst über ein Jahr lang kennenlernen" / Über den Umgang mit Liebe und Selbstbewußtsein / Intime Kommunikation: Laß´ uns miteinander reden - Liebe auf den zweiten Blick / In Zeiten, wo die Liebe nicht mehr sicher ist, kann Vertrauen tödlich sein: Der Schutz durch das Kondom ist unverzichtbar ! / Die Folgen enttäuschter Liebe / Treue als Wert in schwulen PaarbEZIehungen / Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sind wie die Ehe oft auf Dauer angelegt / Informationsteil

 

7. Kapitel: Verliebt, verlobt, verheiratet - Familien- und Ehepolitik für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und ihrer Kinder

Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften: z.B. Männer-Paare / Aktion Standesamt - Für die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften in Deutschland / Verliebt, verlobt, verheiratet - Ehe und Scheidung für Lesben bzw. Schwule in Deutschland / Rechtsprechung: Beschlossen und verkündet - Die Zulässigkeit der gleichgeschlechtlichen Eheschließung / Schwiegereltern und weitere Freunde als Familie / Schwule Väter / Ganz normale Mütter - Lesbische Frauen und ihre Kinder / Die Einbringung eigener oder adoptierter Kinder in die Lebensgemeinschaft / Rechtsprechung: Sorgerecht wird homosexuellen Lebensgemeinschaften erteilt / Pappa, Pappa, Kind - Eine Familie ist eine Familie ist eine Familie ... / Informationsteil

 

8. Kapitel: Hochzeitspaare: Mit Gottes Segen - Lesbische und Schwule Paare in unserer Gemeinde

Daß wir Zärtlichkeit nicht gottlos nennen - denn die Liebe ist aus Gott / Homosexuelle Kleriker: "Es tut so gut, beieinander zu kuscheln !"- Studie: Jeder 4. Priester ist schwul / Das abgespaltene Frausein der Bräute Christi: "Ich selbst bin das Zentrum der Offenbarung !" Als lesbische Nonne ein spirituelles Zuhause finden / "Wer sich selbst verleugnet, betrügt Gott !" - In der Gemeinde engagierte homosexuelle Geistliche / Pluralität des Menschseins als konstitutives Element der Gemeinschaft - Entwurf einer neuzeitlichen schwulen Theologie / Kirchliche Hochzeit im Gottesdienst für gleichgeschlechtliche Paare - Partnerschaftsegungen bei der Trauung in der Kirche / Hochzeitsrituale und Traumhochzeiten für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften / Lesbische und schwule Lebensgemeinschaften als Thema im Religions- und Konfirmanden-Unterricht / Zehn-Punkte-Plan als Perspektive zur Diskussion / Könnte Gott sowohl zugleich lesbisch als auch schwul sein ? / Informationsteil

 

9. Kapitel: Makroperspektive - Gesellschaftspolitische Aspekte von Sexualität

Der seelische Konflikt durch verdrängte Sexualität ist ein Konflikt zwischen dem Individuum und der Gesellschaft mit ihren Institutionen / Sexualität in der Lehre: "Eigentlich ist es etwas zärtliches" / Die Auseinandersetzung mit Sexualität in der dritten Schulklasse / "Für Homosexuelle ist das Private politisch !" Lesben- und Schwulenpolitik im Deutschen Bundestag durch Parlamentsdebatten und das Programm "Emanzipation und Gleichberechtigung" für Lesben und Schwule / Kommunale Gleichstellungsstellen und Gleichstellungspolitik für Lesben und Schwule / Coming-Out am Arbeitsplatz: Gar nicht so fremd - Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in der Chef-Etage / Marketing und Werbung für schwule Paare: "Nie waren sie so wertvoll wie heute" - Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften als Traummarkt / 25 Jahre Lesben- und Schwulenbewegung in Deutschland / Informationsteil
Ausblick / Epilog: Fürbitten und Segen für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften: "Gott, hilf, die sexuelle Existenz zu zelebrieren !" / Anhang: Aktuelle englischsprachige Auswahlbibliographie Abbildungsnachweise wichtige Adressen / Zusammenfassung der seit vielen Jahren bekannten Forschungsergebnisse

 

Seit vielen Jahren feststehende wissenschaftliche Erkenntnisse über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften

·        Sexualität ist etwas anderes als Geschlechtsverkehr. Sexualität, Zärtlichkiet und Geschlechtsverkehr dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Sexualität ist nicht Geschlechtsverkehr. Sexualität ist viel umfassender, sie ist Zärtlichkeit.

·        Heterosexualität ist eine der Homosexualität gleichwertige Form des (sexuellen) Empfindens, Erlebens und der Liebe. Bei Menschen, die sich vorwiegend für das gleiche Geschlecht interessieren, sprechen wir von gleichgeschlechtlicher Orientierung (oder homosexueller Orientierung).

·        Das gelebte Sexualverhalten ist unverzichtbarer und integraler Bestandteil des Gesamtverhaltens einer Persönlichkeit, der aber nicht überbewertet werden muß. Verhinderung, Bekämpfung, Restriktion des Persönlichkeitselements stellen einen tiefen, schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeit und Privatsphäre des Menschen dar.

·        Die sexuelle Orientierung ist nicht änderbar. Die sexuelle Orientierung selbst kann nicht geändert werden: Niemand käme bei einem Zebra auf die Idee, diese Streifen ändern zu wollen, oder zu fragen, warum ein Zebra gestreift ist. Die Erziehung der Eltern hat keinen Einfluß auf die sexuelle Orientierung, sie ist vorgegeben und kann sich durch das Klima im Elternhaus lediglich schneller oder langsamer entfalten. Die sexuelle Orientierung ist also unabänderbar vorgegeben, es kommt darauf an, sie zu erkennen, sie zu entfalten und sie zu leben. Niemand kann von seiner sexuellen Orientierung "umgepolt" werden, auch nicht durch homosexuelle bzw. heterosexuelle Handlungen. Da niemand über seine sexuelle Orientierung selbst bestimmen kann - entfallen damit auch alle moralischen Bewertungen an sich. Soziosexuelle Entfaltung meint also, seine ganz individuelle und vorgegebene sexuelle Dimension leben zu lernen. Über das Entstehen der Heterosexualität liegt bisher kein Theorie oder Ursachenforschung vor. Ursachenforschung der Sexualität wird heute nicht mehr betrieben, da es so viele Entstehungstheorien gibt, wie es Forscher gibt, die sich damit beschäftigt haben. Sexualität und erotisches Begehren ist einfach da und ist bei jedem Menschen vorhanden. Statt dessen interessiert man sich heute für die Ausgestaltung des Alltags von Paaren, die eine sexuelle Verbindung eingehen.

·        Es hat sich ein Betrachtungswandel vollzogen. Einfacher gesagt: Wir interessieren uns heute weniger dafür, wie jemand schwul oder hetero wird, als vielmehr dafür, wie Schwule als Individuen, als Paare oder Gruppen sind. Der Sexualitätsaspekt ist nicht mehr der entscheidende, sondern schwule bzw. lesbische Paare sind eine Liebes- und Lebens-Gemeinschaft mit all ihren Sozial-Dimensionen: So interessiert man sich in der heutigen Forschung nicht mehr für die Entstehung zur einen oder anderen sexuellen Orientierung, sondern für die sozialen Lebensumstände, in denen sie wie verwirklicht werden: wie Schwule und Lesben leben, wie sie heiraten, eine Familie gründen und in die Kirche und die Politik gehen.

·        Das Geschlecht ist sozial konstruiert. Während die deutsche Sprache nur das Wort "Geschlecht" kennt, hat sich in der englisch-amerikanischen Sprache die Unterscheidung "sex" und "gender" herausgebildet: Unter "sex" wird das biologische, körperliche Geschlecht verstanden, unter "gender" das soziale, kulturelle Geschlecht. Die Geschlechtsrole wird also durch den Dialog und interaktiven Austausch von Menschen hergestellt und geschaffen.

·        Die Verhältnisse können also derart sein, daß ein genetisch männliches Wesen die innere Identität einer Frau hat, deren Triebe (sexuelle Orientierung) auf das gleiche, in diesem Fall das weibliche Geschlecht gerichtet sind, so daß scheinbar ein Hetero-Paar zusammenkommt. Würde dieses Paar heiraten, dann würden in Wirklichkeit zwei Lesben heiraten: Die Ehe zweier (in diesem Fall weiblicher) Homosexueller ist also schon heute möglich. In diesem Falle würden (ganz legal) zwei Lesben heiraten.

·        Die Forschung kommt daher zu dem bahnbrechenden Ergebnis: die drei Variablen der sexuellen Identität - anatomisches (biologisches) Geschlecht, soziokulturelle Geschlechterrolle und sexuelle Orientierung - nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Die Ausprägungen der sexuellen Orientierung (homo, hetero, bi, Zwischenstufen) sind nicht zwangsläufig mit den Ausprägungen der Variablen Geschlecht (männlich, weiblich, Mischanteile) verknüpft: Schwule sind keine Frauen oder feminine Wesen, sondern ganz normal männlich.

·        Nach Sigmund Freud ist jeder Mensch bei Geburt potentiell bisexuell: Er entfaltet dann die ihm unabänderbar vorgegebene sexuelle Orientierung im Rahmen seiner Möglichkeiten.

·        Nach Kinsey haben 13 Prozent der gesamten männlichen Bevölkerung viele homosexuelle Erfahrungen und diese Schwulen gehen `meistens mit Männern´ ins Bett. Bisexuell sind 37 Prozent der gesamten männlichen Bevölkerung diese gehen `auch mit Männern´ ins Bett (bzw. "auch" mit Frauen). Nur 50 Prozent aller Männer haben keine homosexuellen Erfahrungen mit einem anderen Mann" und haben statt dessen heterosexuellen Geschlechtsverkehr; sie gehen `nur mit Frauen´ ins Bett. Lediglich jeder zweite Mann ist also ausschließlich heterosexuell.

·        Schwule lernen sich auf vielfältige Weise kennen: In schwul-lesbische Kneipen, Cafés, Diskotheken und Tanzveranstaltungen in eigenen Kommunikationszentren, die es fast in jeder größeren Stadt gibt. Es gibt aber auch noch viel anderes: spEZIelle Partnerschaftsagenturen für Schwule, Reisebüros, Reiseführer, Buchläden, Shops aller Art, und an den meisten größeren Kiosken finden sich auch schwule Zeitschriften und Magazine. In denen gibt's Freundschaftsanzeigen, auf die man antworten kann, aber natürlich auch die Möglichkeit hat, selbst eine aufzugeben. Es gibt viele Männer, die auf diese Weise ihren Lebensgefährten gefunden haben. Außerdem werden eine ganze Reihe kultureller Veranstaltungen von Schwulen und Lesben gemeinsam organisiert: Seien das nun Ausstellungen, Theater, Konzerte, Lesungen etc..

·        Bei gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften wurde immer wieder festgestellt, daß sie sich von heterosexuellen qualitativ nicht unterscheiden. 82 Prozent aller Schwulen wollen eine gemeinsame Wohnung mit dem Freund und ebenso viele wollen Treue halten. Die Mehrheit, nämlich 62 Prozent, der Schwulen lebt in einer festen, auf Dauer angelegten eheähnlichen BEZIehung als gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft zusammen. Bei 38 Prozent der Schwulen besteht die ehegleiche BEZIehung zum Lebensgefährten sogar seit mehr als 10 Jahren. Inhaltlich führen manche schwule Paare sogar eine vorbildlichere Ehe als Hetero-Paare:

·        Die Anerkennung heterosexueller Lebensgemeinschaften ist laut Bundesverfassungsgericht ohne die Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften nicht zulässig. Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare muß daher und aus zahlreichen anderen Gründen ermöglicht werden.

·        Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften haben oft Kinder aus anderen BEZIehungen oder adoptieren Kinder. Das mit Blick auf das Kindeswohl entscheidende Kriterium ist nicht die sexuelle Orientierung der Eltern, sondern allein die Beurteilung der Gesamtpersönlichkeiten im Elternhaus - sowie: die BEZIehung des Kindes zu dem Elternteil und dessen Lebenspartner ist entscheidend für das Kindeswohl. Gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften kann voll und ganz die Fähigkeit zugesprochen werden, Kinder zu adoptieren und erziehen. Die Kinder aus gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind oftmals offenherziger als die Kinder verschiedengeschlechtlicher Lebensgemeinschaften.

·        Mit der in der Bibel erwähnten Homosexualität haben heutige gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften wenig, wenn nicht sogar gar nichts zu tun. Nach fast zwei Jahrtausenden schlimmster - manchmal sehr sublimer - Demütigung und Verfolgung gleichgeschlechtlich liebender Menschen durch die Kirche - bis in unsere Gegenwart - ist ein deutlicher Bußakt der Kirche nötig, der eine Praxis im Zusammenleben mit gleichgeschlechtlich liebenden Menschen eröffnet. Paradoxer Weise sind besonders viele Priester schwul - doppelt so viele wie in der Bevölkerung (13 %, s.o.): Eine in Boston veröffentliche Langzeit-Studie belegt, daß ein Drittel (25-40 Prozent) der Geistlichen schwul sind: Wenn zwölf Geistliche zusammenkommen, sind drei bis vier von ihnen homosexuell orientiert.

·        Theologische Abhandlungen belegen, daß es in der Kirche möglich ist, dem Wunsch nach einer Partnerschaftssegnungen als Trauungsritual im kirchlichen Gottesdienst für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft nachzukommen - selbst bevor der Staat eine Zivilehe anerkennt. Kirchliche Ehe und Hochzeitstrauungen sind mit denselben Ritualen in der Kirche umzusetzen wie für verschiedengeschlechtliche Paare.

·        Treue zu einem einzigen Partner ist neben dem Kondom und Safer Sex ein wichtiger Schutz gegen Infektionskrankheiten - auch für Lesben und Schwule. Ziel in der Präventionsarbeit ist es, Probleme der Verständigung und geglückte Aushandlungsformen von Schwulen auf der Bettkante über Safer Sex in verschiedenen Präsentationsformen darzustellen. Eine aufklärende Prävention muß auf den Abbau von Kommunikationsschwierigkeiten bzw. Unsicherheiten und Ängsten in der intimen Situation setzen. Das Ziel ist, den Menschen für die betreffenden Situationen Hilfen und Anleitungen zur Verfügung zu stellen, um ihre Schutzinteressen und Ängste ansprechen bzw. ihre Wünsche verständlich artikulieren zu können.

·        zur aktiven Gesellschaftspolitik muß jeder Schwule und jede Lesbe aber auch selbst beitragen, als (Religions-, Deutsch-, etc.-)Lehrer durch Zärtlichkeitserziehung in der Schule, als Bürgervertreter durch (kommunale) parlamentarische Arbeit im politischen System, als Journalist und Redakteur durch die Darstellung von Portraits gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften im Mediensystem, als Unternehmer in der freien Wirtschaft bei Marketing, Marktforschung und Werbung im Wirtschaftssystem, als Autor bei der Forschung über soziale Bewegungen im Wissenschaftssystem, sowie als Geistliche, Priester und Theologe in den Kirchen.

© aus: Engagierte Zärtlichkeit

Suchen Sie sich eine Erkenntnis aus und versuchen Sie, diese im Rollenspiel darzustellen !

 

Informationsteil: Nochmals - Bücher die man gelesen haben sollte
(Stand: 1997)

Folgende Bücher über die Sozialaspekte von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind interessant zu lesen und sollen hier zum Weiterlesen empfohlen werden. Die untenstehende Liste enthält daher verständlich geschriebene Bücher, die über jeden Buchhandel zu bEZIehen sind (also nicht Zeitschriftenaufsätze oder wissenschaftliche oder sog. "graue" Literatur, die oft nur umständlich über eine Fernleihe in einer Stadt-Bibliothek zu bestellen sind). Diese Liste kann auch abkopiert und der örtlichen Bibliothek als Neuanschaffungsvorschläge vorgelegt werden, falls diese unzureichend oder veraltetes Schrifttum über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften noch im Bestand präsent hält.

=>BLY, ROBERT: Eisenhans - Ein Buch über Männer, München (Knaur) 1993
=>BUNDESZENTRALE FÜR GESUNDHEITLICHE AUFKLÄRUNG: Unser Kind
fällt aus der Rolle - Über den Umgang mit sexuellen Orientierungen, Köln 1994
=>BÜNTZLY, GERD: Schwule Väter, Berlin 1988
=>CALIFIA, PAT: Das schwule 1 x 1 - Tips & Tricks für alle Lebenslagen, Berlin 1994
=>HOPCKE, ROBERT: Carl Gustav Jung, Jungianer und Homosexualität, Olten 1993
=>HURTON, ANDREA: Kultobjekt Mann, Frankfurt am Main 1995
=>HÜSERS, FRANCIS / KÖNIG, ALMUT: Bisexualität, Stuttgart 1995
=>ISENSEE, RICK: Männer lieben Männer, Berlin 1992
=>KAMINSKI, RALF / U.A.: Eigentlich logisch: schwul ! - Eine Coming-Out-Broschüre
für junge Schwule, Initiative Schwule Jugend Schweiz, (ISBN 3-905035-02-2), o.J.
=>KÖRNER, HEINZ: Johannes, Fellbach 1978
=>PUFF, HELMUT (HG): Lust, Angst, Provokation, Göttingen 1993
=>SAINT-EXUPÉRY, ANTOINE DE: Der kleine Prinz, Düsseldorf 1956
=>SASSE, BIRGIT: Ganz normale Mütter - Lesbische Frauen und ihre Kinder, Frankfurt
am Main 1995
=>SCHAUECKER, RENÉE / HAUSER, LUKAS: Queerverbindungen - Schwule und
Lesben im Datennetz, mit CD-Rom, Berlin 1996
=>SCHINS, MARIE-THÉRÈSE: 2 X Papa - oder: Zwischenfall auf dem Pausenhof, Ein
Lesebuch für Kinder in der 4.-8. Schulklasse, rororo rotfuchs (773), Reinbek 1995
=>STADTFÜHRER / SCHMEDING, PETER (HG): Gay German Guide - Der schwule
Kneipenführer, Pink Rose Press, Hamburg 1995 (ISBN 3-927307-06-3)
=>STREIB, ULI (HG): Das lesbisch-schwule Babybuch - Ein Rechtsratgeber zu
Kinderwunsch und Elternschaft, Berlin 1996
=>TESSINA, TINA: In guten wie in schlechten Tagen - Anregungen für homosexuelle
Paare, rororo 8782, Reinbek 1991
=>THIEL, ANGELIKA: Kinder ? - Ja, klar ! - Das Handbuch für Lesben und Schwule,
Frankfurt am Main / New York 1996
=>WEST, CELESTE: Lesben-Knigge, Frankfurt am Main 1992
=>WINIARSKI, ROLF: Coming Out Total - Der Ratgeber, Berlin 1995
=>WINKS, CATHY / SEMANS, ANNE: Good Vibrations - Sex: fun and safe, Goldmann
13907, München 1996
=>ZINN, DORIT: Mein Sohn liebt Männer, Frankfurt am Main 1992

 

Engagierte Zärtlichkeit

Das schwul-lesbische Handbuch
über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften

von Andreas Frank
Internet-Version © 1997

FRANK, ANDREAS: Engagierte Zärtlichkeit - Das schwul-lesbische Handbuch
über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften.
Ein Sach- und Lesebuch der Sozialforschung über die sozialen Dimensionen
von Empfindung, Liebe, Identität, Partnerschaft, Familie, Kirche, Ehe
und Homosexualität - Internet-Version © 1997

 

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